Ihr Lieben,
schon immer bin ich gern spazieren gegangen, mal mehr, mal weniger regelmäßig. Außer in Zeiten, in denen es mir seelisch nicht so rosig ging - da bin ich ganz Sternzeichen Krebs: auf dem Rückzug in mich selber. Naja, und manchmal gibt es auch Phasen, in denen ich einfach stinkfaul bin und lieber auf meinem gemütlichen Sofa rumliege.
In den ersten Wochen und Monaten meines rauchfreien Lebens war ich mehrfach täglich auf den Beinen. Ich hab so eine kleine Hausstrecke, die ist ziemlich genau 5 km lang. Ich muß entweder durch ein Wohngebiet oder aber auf einem Radweg entlang einer Bundesstraße gehen, aber das sind nur die ersten 10 Minuten. Dann komme ich an offene Felder und Wiesen und gehe zu einem kleinen See. Der ist wirklich klein, läßt sich in einer guten Viertelstunde umrunden. Dort gibt es viel Lebendiges zu sehen - wunderbare Blumen, Frösche, Vögel aller Arten, Hunde, manchmal einen Hasen, Enten, Blesshühner, einen Kormoran, einen Graureiher, Gänse und sogar (ausgesetzte?) Schildkröten. Man begegnet Joggern, Nordic Walkern, Kindern, Rentnern, bei eher schlechtem Wetter kann man auch mal ganz allein sein. Ich hatte mal irgendwo gelesen, dass Goethe sehr viel spazieren ging und dabei Blumensamen verstreute, an den Blüten erfreute er sich dann im nächsten Jahr. Das habe ich auch schon so gemacht und muss jedes Mal lächeln, wenn ich "meine" Margeriten und Glockenblumen sehe.
Nun habe ich ja am 1. Januar endlich mein Speckfrei-Programm begonnen, nachdem das Rauchfrei-Programm für mich erfolgreich abgeschlossen ist. Es hatten sich in fast drei Jahren mehr als 20 kg angesammelt und ich war davor schon nicht sehr schlank. Die Kilos verdanke ich
nicht dem Nichtrauchen. Ich hab einfach nur zu viel gegessen und mich zu wenig bewegt. Ich bin in die Wechseljahre gekommen und ich hab dieses leidige Asthma gekriegt, das phasenweise mit Cortison behandelt werden muss.

All das zusammen hat die Speckschichten in meine früher so attraktive Mitte gelockt. Wegen des Asthmas habe ich mich nicht an Sport heran getraut, die Angst vor der Atemnot war zu groß. Aber Spazierengehen, das konnte ich. Ich kann das Tempo selbst bestimmen und auch mal ausruhen, wenn die Luft knapp wird. Meine vielen Kilo ließen Laufen gar nicht zu. Aber Gehen, das geht.
Nach vielen vielen Spaziergängen fing ich an zu Wandern. Und hin und wieder walke ich auch. Heute bin ich viel unterwegs. Ich gehe öfter zu Fuß die drei Kilometer zur Arbeit, am Wochenende walke ich zwei-drei Mal um "meinen" See und/oder gehe Wandern im wunderbaren Odenwald. Kleine Gänge erledige ich zu Fuß und nicht mehr mit dem Auto. Mir tut das unglaublich gut. Ich habe meinen eigenen Rhythmus gefunden, nicht zu schnell, nicht zu langsam, schön gleichmäßig. Manchmal begleitet mich jemand, aber am liebsten gehe ich alleine. Ich komme in's Gleichgewicht durch das Gehen. Ich habe die besten Gedanken dabei, ich werde meinen Ärger los und natürlich auch meinen Speck. Immerhin 11 kg sind es seit dem 1.1., das ist schon richtig gut für mich. Und seit 1. Mai schreibe ich die Kilometer auf - aktuell sind es 97,1 km und für morgen stehen wieder 15 auf dem Plan.
Ich erzähle Euch das so ausführlich, weil zum einen das Gehen eine super Hilfe beim Rauchstopp sein kann. Man wird wunderbar die Spannungen los, in der Natur hängen keine Zigarettenautomaten, das Körpergewicht bleibt in Grenzen. Und ich erzähle es auch, weil ich mal ein Gegengewicht setzen will zu Leistungssport und schwitzenden, schnaufenden Anstrengungen. Viele Leute trauen sich nicht, Sport zu machen, schon gar nicht wenn sie zu dick sind. Ich sage das aus Erfahrung. Ich hätte mich vor drei Monaten noch in Grund und Boden geschämt, im Sportdress mit schaukelndem Bauch um den See zu walken. Aber in normalen Hosen schnell spazieren gehen, das war möglich, ganz ohne Scham. Selbst ein simpler Spaziergang tut dem Gewicht gut, auch wenn man sich das nicht so vorstellen kann.
Und er tut der Seele gut. Ich höre den Vögeln zu, ich schaue was gerade so blüht, ich atme tief die würzige Waldluft ein und die wenigen Menschen, die mir begegnen, lächle ich zufrieden an.
Vielleicht kann ich ja den oder die eine/n oder andere/n ein bissle animieren, sich ab und zu in Bewegung zu setzen. Vor Jahren habe ich mal irgendwo ein Zitat gelesen, das ich richtig toll fand:
"Ich habe zwei Ärzte: mein rechtes und mein linkes Bein".
Leider weiß ich den Autor nicht mehr. Aber die beiden Ärzte hab ich jetzt auch. Meine Blutwerte haben sich seit Januar um fast 30% verbessert, meine Lungenfunktion ist auch besser geworden. Ich brauche deutlich weniger Medikamente für mein Asthma. Und wenn ich von einem Marsch zurück komme, sagt mein Mann immer, meine Augen würden glänzen wie frisch geputzt.
Liebe Grüße
Marion