Hallo Ihr Lieben,
ein Thema beschäftigt mich seit vielen Jahren immer wieder - und besonders intensiv, seit ich nicht mehr rauche. Es ist das Thema "Positives Denken". Als ich anfing, mich damit auseinander zu setzen, fand ich all diese Theorien, Mantras und Autosuggestionen einfach nur doof. Zugegebenermaßen finde ich einen Großteil immer noch doof, aber ich habe
für mich inzwischen eine Essenz herausgefiltert, die mir gut tut, die mich wachsen lässt und die mir bei meinem eigenen Rauchfrei-Projekt sehr geholfen hat.
Wie definiere ich Positives Denken für mich?
=> Ich versuche, in schwierigen Situationen die positive Seite für mich zu entdecken. Das gelingt nicht immer gleich gut, manchmal klappt das erst mit zeitlicher Distanz. Aber etwas Gutes finde ich allermeistens. Aus meinen schlimmen Schmachtattacken in den ersten rauchfreien Wochen bin ich enorm gestärkt hervor gegangen. Als ich noch mittendrin steckte, war ich vom Positiven Denken allerdings ein wenig abgekommen...
=> Ich mache mir möglichst wenig Sorgen. Auch hier bin ich noch weit von Perfektion entfernt, aber das ist in Ordnung. Ich wachse ja noch.

Sorgen verändern an der aktuellen Situation nichts. Wenn ich mir jetzt Sorgen machen würde, ob ich wohl meine Arbeit behalten kann (ich hab noch 14 Jahre bis zur Rente), dann würde ich nur in schlechte Stimmung verfallen, vielleicht vor lauter Angst mehr Fehler machen, die eine oder andere falsche Entscheidung treffen. Also mache ich meine Arbeit so gut ich kann - das ist sowieso das einzige, was ich zum Joberhalt beitragen kann. Alles andere liegt nicht in meiner Hand. Wenn sorgenvolle Gedanken aufkommen, lenke ich mich ab.
=> Ich unterstelle anderen Menschen weder schlechte Motive noch böse Absichten oder Handlungen. Ich weiss oft nicht, warum jemand so oder so handelt und gehe erstmal davon aus, dass er nichts Böses beabsichtigt. Damit erspare ich mir eine ganze Menge negativer Gefühle.
=> Ich bin kein Opfer. Ich bin selbst verantwortlich für das, was ich tue. Ich verantworte, ob ich rauche oder nicht - kein Streit, kein Nikomo, kein Freund, kein Chef, keine Blasenentzündung, kein wasweissich rauchte für mich. Ich war das selber. Das hat für mich sehr viel mit Positivem Denken zu tun, auch wenn es nicht auf Anhieb so aussieht. Ein negativ denkender Mensch ist schnell mit Schuldzuweisungen und Klagen dabei und sieht den eigenen Anteil an einer Situation nicht.
=> Ich mache Fehler und ich liebe mich dennoch. Wie oft habe ich mich früher innerlich zerrupft, angeklagt in langen schlaflosen Nächten, mich mit Gedanken und Worten selber verletzt! Das mach ich schon lange nicht mehr.
=> Andere machen Fehler und ich liebe sie dennoch. Naja, okay, nicht alle. Aber ich erwarte viel weniger von anderen Menschen als früher. Ich rege mich lange nicht mehr so oft und so schnell auf. Ich kann sehr vieles gelassener betrachten. Ich liebe die Menschen.
=> Ich habe Vertrauen und fühle mich geborgen. Man mag das Gottvertrauen nennen (ein sehr schönes Wort) oder Urvertrauen, tief in mir ist das Wissen, dass alles gut ist. Dass ich ein Teil eines Grossen bin, dessen Grösse ich gar nicht ganz erfassen kann. Das ist der wichtigste Punkt für mich. Wenn ich es in schwierigen Situationen und Gefühlslagen schaffe, dahin Verbindung zu bekommen, dann habe ich das Schwere schon halb hinter mir gelassen.
Was Positives Denken für mich
nicht bedeutet, ist: Programmierung - denn dieses Wort paßt für mich nicht zu Geist und Seele, das gehört zu Maschinen und Computern. Ich nenne es eher Übung.
Und es ist für mich nicht: Wegschauen. Denn natürlich gibt es sehr viel Schlimmes, Schmerzhaftes und Schweres auf der Welt. Aber es kommt für mich darauf an, wie ich damit umgehe. Wenn ich in das laute Klagegeschrei mancher Zeitgenossen einstimme, verbessere ich die Situation gar nicht. Im Gegenteil. Ich schicke noch Schlechtes zum Schlechten dazu.
Natürlich ist es manchmal für die Seelenhygiene wichtig, zu jammern, zu meckern und zu heulen. Das mache ich auch. Aber ich bin mir dessen bewußt, was ich mache und kann bald Abstand finden. Heute hab ich schon über mein "verkühltes Bläsle" gejammert. Das hat gut getan. Nun trinke ich den ungeliebten Tee, habe eine Wärmflasche auf dem Schoß und schon einen Zettel in der Tasche "Cranberry Saft kaufen" (danke Ameise!)
Und natürlich gibt es auch sehr schlimme Situationen, in denen erstmal kein Platz ist für Positives Denken, keine Kraft dafür: eine böse Diagnose, ein schlimmer Streit, eine Trennung, gar ein Todesfall. Da muss man dann wirklich innehalten, mit der Lage zurecht kommen, Luft holen. Wann dann die positive Sicht wieder möglich ist, kann sehr unterschiedlich sein. Als meine Mutter sehr plötzlich starb, war ich 27 Jahre, alleinerziehende Mutter einer Dreijährigen, in Scheidung von einem Alkoholiker lebend, der mit roter Farbe "Schlampe" auf die Wand des Hauses schmierte, in dem ich mit unserer Tochter wohnte, und der mein Tagebuch stahl um es dem Jugendamt zu zeigen - als Beweis dafür, daß ich keine gute Mutter sein könne. Zeitgleich hatten die Ärzte bei mir eine seltene Krankheit diagnostiziert und mir noch etwa sechs Monate Lebenszeit prophezeit. (wie man sich doch täuschen kann... )
In diesen Monaten, fast Jahren, hatte ich kaum eine Chance, positiv zu denken. Aber ich hab es versucht und ich bin sicher, das hat viel zu meiner Gesundung beigetragen.
Das Beste am Positiven Denken ist, dass es das Leben immer mehr zum Guten verändert. Damit fällt es auch immer leichter, natürlich. Da ich die Menschen liebe, ziehe ich liebenswerte Menschen an - meistens jedenfalls. Wenn ich noch in eine alte Falle tappe, merke ich es relativ schnell und ziehe mich flugs zurück. Da ich mir möglichst wenig Sorgen mache, habe ich fast immer gute Laune. Das macht die Leute um mich herum gleich freundlicher. Wenn einer garstig ist, zu dem bin ich dann ganz besonders freundlich.

Weil ich mich selber liebe, schütze ich mich und suche mir immer wieder Erlebnisse, die mir gut tun. Weil ich fast jeder Situation etwas Gutes abgewinnen kann, habe ich selten Groll. Ich erlebe nur noch äußerst selten bedrohliche Situationen oder Katastrophen im persönlichen Sinne. Nicht mal garstige Beamte begegnen mir.
Das alles hat großen Einfluß auf meinen Rauchstopp gehabt, darum schreibe ich es hier mal auf. Vielleicht ist was für Euch dabei. Ich erhebe nicht den Anspruch auf Perfektion, ich bin nicht allumfassend. Ich arbeite an mir und das macht einen Heidenspaß.
Positive Grüße

Marion