Positiv oder blauäugig? - Rauchfrei-Forum
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Alt 03.02.2010, 22:44   #1 (permalink)
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Hallo Ihr Lieben,

ein Thema beschäftigt mich seit vielen Jahren immer wieder - und besonders intensiv, seit ich nicht mehr rauche. Es ist das Thema "Positives Denken". Als ich anfing, mich damit auseinander zu setzen, fand ich all diese Theorien, Mantras und Autosuggestionen einfach nur doof. Zugegebenermaßen finde ich einen Großteil immer noch doof, aber ich habe für mich inzwischen eine Essenz herausgefiltert, die mir gut tut, die mich wachsen lässt und die mir bei meinem eigenen Rauchfrei-Projekt sehr geholfen hat.

Wie definiere ich Positives Denken für mich?

=> Ich versuche, in schwierigen Situationen die positive Seite für mich zu entdecken. Das gelingt nicht immer gleich gut, manchmal klappt das erst mit zeitlicher Distanz. Aber etwas Gutes finde ich allermeistens. Aus meinen schlimmen Schmachtattacken in den ersten rauchfreien Wochen bin ich enorm gestärkt hervor gegangen. Als ich noch mittendrin steckte, war ich vom Positiven Denken allerdings ein wenig abgekommen...

=> Ich mache mir möglichst wenig Sorgen. Auch hier bin ich noch weit von Perfektion entfernt, aber das ist in Ordnung. Ich wachse ja noch. Sorgen verändern an der aktuellen Situation nichts. Wenn ich mir jetzt Sorgen machen würde, ob ich wohl meine Arbeit behalten kann (ich hab noch 14 Jahre bis zur Rente), dann würde ich nur in schlechte Stimmung verfallen, vielleicht vor lauter Angst mehr Fehler machen, die eine oder andere falsche Entscheidung treffen. Also mache ich meine Arbeit so gut ich kann - das ist sowieso das einzige, was ich zum Joberhalt beitragen kann. Alles andere liegt nicht in meiner Hand. Wenn sorgenvolle Gedanken aufkommen, lenke ich mich ab.

=> Ich unterstelle anderen Menschen weder schlechte Motive noch böse Absichten oder Handlungen. Ich weiss oft nicht, warum jemand so oder so handelt und gehe erstmal davon aus, dass er nichts Böses beabsichtigt. Damit erspare ich mir eine ganze Menge negativer Gefühle.

=> Ich bin kein Opfer. Ich bin selbst verantwortlich für das, was ich tue. Ich verantworte, ob ich rauche oder nicht - kein Streit, kein Nikomo, kein Freund, kein Chef, keine Blasenentzündung, kein wasweissich rauchte für mich. Ich war das selber. Das hat für mich sehr viel mit Positivem Denken zu tun, auch wenn es nicht auf Anhieb so aussieht. Ein negativ denkender Mensch ist schnell mit Schuldzuweisungen und Klagen dabei und sieht den eigenen Anteil an einer Situation nicht.

=> Ich mache Fehler und ich liebe mich dennoch. Wie oft habe ich mich früher innerlich zerrupft, angeklagt in langen schlaflosen Nächten, mich mit Gedanken und Worten selber verletzt! Das mach ich schon lange nicht mehr.

=> Andere machen Fehler und ich liebe sie dennoch. Naja, okay, nicht alle. Aber ich erwarte viel weniger von anderen Menschen als früher. Ich rege mich lange nicht mehr so oft und so schnell auf. Ich kann sehr vieles gelassener betrachten. Ich liebe die Menschen.

=> Ich habe Vertrauen und fühle mich geborgen. Man mag das Gottvertrauen nennen (ein sehr schönes Wort) oder Urvertrauen, tief in mir ist das Wissen, dass alles gut ist. Dass ich ein Teil eines Grossen bin, dessen Grösse ich gar nicht ganz erfassen kann. Das ist der wichtigste Punkt für mich. Wenn ich es in schwierigen Situationen und Gefühlslagen schaffe, dahin Verbindung zu bekommen, dann habe ich das Schwere schon halb hinter mir gelassen.

Was Positives Denken für mich nicht bedeutet, ist: Programmierung - denn dieses Wort paßt für mich nicht zu Geist und Seele, das gehört zu Maschinen und Computern. Ich nenne es eher Übung.
Und es ist für mich nicht: Wegschauen. Denn natürlich gibt es sehr viel Schlimmes, Schmerzhaftes und Schweres auf der Welt. Aber es kommt für mich darauf an, wie ich damit umgehe. Wenn ich in das laute Klagegeschrei mancher Zeitgenossen einstimme, verbessere ich die Situation gar nicht. Im Gegenteil. Ich schicke noch Schlechtes zum Schlechten dazu.
Natürlich ist es manchmal für die Seelenhygiene wichtig, zu jammern, zu meckern und zu heulen. Das mache ich auch. Aber ich bin mir dessen bewußt, was ich mache und kann bald Abstand finden. Heute hab ich schon über mein "verkühltes Bläsle" gejammert. Das hat gut getan. Nun trinke ich den ungeliebten Tee, habe eine Wärmflasche auf dem Schoß und schon einen Zettel in der Tasche "Cranberry Saft kaufen" (danke Ameise!)

Und natürlich gibt es auch sehr schlimme Situationen, in denen erstmal kein Platz ist für Positives Denken, keine Kraft dafür: eine böse Diagnose, ein schlimmer Streit, eine Trennung, gar ein Todesfall. Da muss man dann wirklich innehalten, mit der Lage zurecht kommen, Luft holen. Wann dann die positive Sicht wieder möglich ist, kann sehr unterschiedlich sein. Als meine Mutter sehr plötzlich starb, war ich 27 Jahre, alleinerziehende Mutter einer Dreijährigen, in Scheidung von einem Alkoholiker lebend, der mit roter Farbe "Schlampe" auf die Wand des Hauses schmierte, in dem ich mit unserer Tochter wohnte, und der mein Tagebuch stahl um es dem Jugendamt zu zeigen - als Beweis dafür, daß ich keine gute Mutter sein könne. Zeitgleich hatten die Ärzte bei mir eine seltene Krankheit diagnostiziert und mir noch etwa sechs Monate Lebenszeit prophezeit. (wie man sich doch täuschen kann... )
In diesen Monaten, fast Jahren, hatte ich kaum eine Chance, positiv zu denken. Aber ich hab es versucht und ich bin sicher, das hat viel zu meiner Gesundung beigetragen.

Das Beste am Positiven Denken ist, dass es das Leben immer mehr zum Guten verändert. Damit fällt es auch immer leichter, natürlich. Da ich die Menschen liebe, ziehe ich liebenswerte Menschen an - meistens jedenfalls. Wenn ich noch in eine alte Falle tappe, merke ich es relativ schnell und ziehe mich flugs zurück. Da ich mir möglichst wenig Sorgen mache, habe ich fast immer gute Laune. Das macht die Leute um mich herum gleich freundlicher. Wenn einer garstig ist, zu dem bin ich dann ganz besonders freundlich.
Weil ich mich selber liebe, schütze ich mich und suche mir immer wieder Erlebnisse, die mir gut tun. Weil ich fast jeder Situation etwas Gutes abgewinnen kann, habe ich selten Groll. Ich erlebe nur noch äußerst selten bedrohliche Situationen oder Katastrophen im persönlichen Sinne. Nicht mal garstige Beamte begegnen mir.

Das alles hat großen Einfluß auf meinen Rauchstopp gehabt, darum schreibe ich es hier mal auf. Vielleicht ist was für Euch dabei. Ich erhebe nicht den Anspruch auf Perfektion, ich bin nicht allumfassend. Ich arbeite an mir und das macht einen Heidenspaß.

Positive Grüße
Marion
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Ich habe mich entschlossen, glücklich zu sein. Das ist besser für die Gesundheit. (Voltaire)
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Alt 03.02.2010, 22:53   #2 (permalink)
love2run
 
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liebe marion,
was für ein toller beitrag....

ich kann da soviel wieder- und auch neu finden, wahnsinn.
__________________
tina

Wenn Du aufgibst, wirst Du nie erfahren, ob es sich nicht doch gelohnt hätte.

Gene Thibeault
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Alt 03.02.2010, 23:14   #3 (permalink)
Vielschreiber
 
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Liebe Marion,

danke für diesen tollen Beitrag, ich wünschte ich würde dich persönlich kennen

Heute ist nicht wirklich mein Tag und all das was du hier beschreibst daran arbeite ich seit langem und mein Großer Sohn ist genau wegen diesem deinem Thema heute extra obwohl im Dienst, über 100 Kilometer nach Hause gekommen

Zum besseren Verständnis: ich denke da ähnlich wie du und arbeite auch daran, aber leider ist Göga seit einiger Zeit nur noch negativ gegen die Welt, gegen die Politik gegen mich und was auch immer
Und heute fand es unser Sohn an der Zeit (siehe deinen Post) seine Meinung zu sagen, all das was du beschrieben hast, hat unser Sohn heute so oder ähnlich ins Gespräch gebracht, ob es etwas geholfen hat? Ich kann es noch nicht abschätzen.
__________________
Lieber Gruß,
Petra
*Weil ich es mir Wert bin!*



*Ich esse ALLES außer Light*
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Alt 04.02.2010, 07:43   #4 (permalink)
Trailblazer
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Liebe Marion,

ich gebe es ja nur sehr ungern zu (), aber dieser Beitrag von dir ist einfach nur

Leider habe ich im privaten, wie auch im beruflichen Leben viele Situationen erlebt, die mich an der Menschheit zweifeln lassen. Daher ist kann ich nur den Punkt "Gottvertrauen" und den Punkt "Keiner will mir Böses" NICHT unterstreichen.
Trotzdem hast du wieder in so weit Recht, dass auch deshalb KEIN Grund zur Verzweiflung besteht - das ist halt so und man muss es so akzeptieren, ohne deshalb zu resignieren!

Auch wenn dieser Spruch so alt und so bekannt ist - wenn man danach lebt, ist vieles einfach leichter:

"Möge ich die Kraft haben, Dinge zu ändern, die ich ändern kann.
Möge ich die Gelassenheit haben, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann.
Und möge ich die Weisheit habe, das eine vom anderen zu unterscheiden!"


In manch schweren Situationen hilft auch mal ein Kapitel aus Dale Carnegie's "Sorge dich nicht - lebe!"
Sorge dich nicht, lebe!: Amazon.de: Dale Carnegie: Bücher

Mit einem positivenGruß
der Traili
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Alt 04.02.2010, 09:22   #5 (permalink)
Alter Hase
 
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Hallo psycheps,

wollte dir nur kurz sagen, daß ich gerade überlegt habe, ob ich deinen Beitrag ausdrucken darf und in die Hosentasche schieben soll. All das was du geschrieben hast, daran arbeite ich seit einiger Zeit. Mal klappt es gut, mal gar nicht. Gestern gar nicht. Grins. Aber wir sind ja Menschen mit Stärken und Schwächen. Auf jedenfall kann ich das alles nur unterschreiben. Danke dafür, daß du es mir in Erinnerung gerufen hast.

Grüßle Sonne
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Alt 04.02.2010, 09:32   #6 (permalink)
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Zitat:
Was Positives Denken für mich nicht bedeutet, ist: Programmierung - denn dieses Wort paßt für mich nicht zu Geist und Seele, das gehört zu Maschinen und Computern. Ich nenne es eher Übung.
Wie Du es nun nennst, ist vollkommen unerheblich -
wichtig ist, dass Du es sinnvoll einsetzt;
Und das tust Du.
__________________
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waren früher selber welche (oder sind es noch)
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Alt 04.02.2010, 12:28   #7 (permalink)
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Hallo Marion,

ich war bis vor einiger Zeit eine Meisterin im positiven Denken. Ich konnte jeder noch so doofen Situation und jedem scheinbar schlimmen Ereignis etwas Gutes abgewinnen.

Meine Devise war, dass es schon gut wird.

Seit ein paar Jahren sieht es aber anders aus. Ich erwarte oft Schlimmes und gehe oft vom Schlimmsten aus. Zum Beispiel in dem Sinne, dass ich mich sehr schnell kritisiert und schlecht behandelt fühle. Ich kann die negativen Gedanken nicht ausblenden. Woran es liegt? Ich kann mir nicht vorstellen, dass es am Nichtrauchen liegt.

Viellecht liegt es an den Wechseljahren. Ich weiß es nicht, aber ich möchte gerne wieder so sein wie früher.

LG
Anne
__________________
Niemand gibt zu Gelächter Anlaß, der über sich selber lacht. (Lucius Annaeus Seneca)
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Alt 04.02.2010, 12:40   #8 (permalink)
Naomi
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Hallo Marion!
Das liest sich sehr ausgeglichen.....schön!

Ich finde es in erster Linie wichtig,daß ich mich wohlfühle.Nur dann strahle ich das aus,was ich bin.
Zum Wohlfühlen brauche ich dieses Gefühl,daß alle Stücke in mir zufrieden sind.
Bildlich wie einzelne Tortenstücke,die nur zusammen ein Ganzes bilden.

Positiv denken,handeln,fühlen kann man nur dann.
Und es gibt immer 2 Möglichkeiten.

Natürlich gibt es viel Schlimmes zu verarbeiten für Jeden,.....aber ich glaube,wenn man mit sich selbst zufrieden ist,kann man mit äußeren Einflüssen anders umgehen.
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Alt 04.02.2010, 14:59   #9 (permalink)
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Psycheps befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
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Hach, das ist schön, wenn Ihr was damit anfangen könnt. So war's gedacht. Ich erhebe keinen Alleinanspruch auf die Wahrheit und viele, viele kluge Leute haben viele, viele Bücher zu diesem Thema geschrieben. Ich kann ja nur von mir erzählen. Das paßt nicht immer auf jeden. Vor allem krieg ich das alles ja selbst auch nicht immer so ganz gebacken , aber wie gesagt, jeder Schritt in diese Richtung ist nach meiner Meinung ein guter Schritt.

@primel, die Wechseljahre können einen schon mächtig durcheinander bringen, die Erfahrung mache ich auch. Vielleicht magst Du Dir ja mal ein paar gute Bücher zum Thema Positives Denken ausleihen (in den Büchereien gibt es sehr viele) und Dich damit beschäftigen? Schon kleine Schritte können große Unterschiede bewirken. Man muss sich nicht immer gleich den Dreitausender vornehmen, ein kleiner Hausberg tut's auch für den Anfang. Und wenn man erst mal in Übung ist mit dem Klettern, kann es auch wieder ein Stück weiter gehen.

Einmal habe ich gelesen, dass Goethe bei seinen langen Spaziergängen immer Blumensamen dabei hatte. Die hat er dann entlang seiner Wege ausgestreut, um sich im nächsten Jahr an den Blumen zu erfreuen. Nicht alle sind aufgegangen, manche Samen wurden von Vögeln aufgepickt, für manche war der Platz nicht der Richtige. Aber ein paar haben es immer geschafft - und die haben sich dann selbständig weiter vermehrt. Und die, die als Vogelfutter endeten, hatten ja auch einen guten Zweck.

So ähnlich sehe ich das mit der Positivität auch.

Liebe Grüße
Marion
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Alt 04.02.2010, 16:09   #10 (permalink)
now
Schon länger dabei
 

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Hallo


Wie immer alles auf den Punkt gebracht ,und das auf eine sehr nette Art

LG now
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