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Rauchen macht schnell abhängig. Die Sucht nach der Zigarette zeigt sich bei Raucherinnen und Rauchern auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Viele berichten zum Beispiel von einem Unruhegefühl oder einem „Beschaffungsdruck“, wenn keine Zigaretten mehr in der Schachtel sind.
Raucherinnen und Raucher nehmen außerdem zumeist wider besseren Wissens Nachteile in Kauf, um ihrer Sucht nachzugehen. Und sollte es einmal längere Zeit keine Möglichkeit für eine Zigarettenpause geben, rauchen viele Tabaksüchtige „vor“ oder „nach“. Auch Entzugserscheinungen, die sich nach einem Rauchausstieg einstellen, sind ein Hinweis auf eine Abhängigkeit.
Die Diagnose „Tabakabhängigkeit“ kann nach dem Internationalen Krankheitskriterien-Katalog (ICD-10) dann gestellt werden, wenn drei der folgenden sechs Kriterien erfüllt sind:
- Toleranzentwicklung (zunehmend höhere Dosen erforderlich)
- Körperliche Entzugserscheinungen bei Beendigung oder Reduktion des Konsums
- Starker Drang, Tabak zu konsumieren
- Keine volle Kontrolle über Beginn, Beendigung und Menge des Konsums
- Zunehmende Vernachlässigung anderer Aktivitäten zugunsten des Tabakkonsums
- Anhaltender Konsum trotz Bewusstsein über die schädlichen Folgen
Auch ein geringer Tageskonsum von fünf oder weniger Zigaretten kann zur Abhängigkeit führen. Einer Studie von DiFranza et al. (2000)1 zu Folge sind Kinder und Jugendliche ganz besonders abhängigkeitsgefährdet: 80 % der Jugendlichen, die bis zu 5 Zigaretten täglich rauchen, weisen schon mindestens einen der genannten Indikatoren auf.
Um den Grad der Tabak-Abhängigkeit festzustellen, wurde ein international anerkanntes Verfahren entwickelt, der sogenannte Fagerström-Test. Auf den Seiten des Ausstiegsprogramms können Sie Ihre Tabakabhängigkeit testen und erhalten individuelle Tipps dazu, wie Sie den Rauchausstieg am besten schaffen können.
Die Abhängigkeit von der Zigarette hat eine körperliche und eine psychische Komponente.
Den Tabakkonsum als Abhängigkeit zu verstehen, bedeutet jedoch nicht hilflos ausgeliefert zu sein! Im Gegenteil: Ein besseres Verständnis der körperlichen und seelischen Zusammenhänge der Tabakabhängigkeit kann dabei helfen, Entzugserscheinungen zu mildern oder ihnen vorzubeugen.
1 Di Franza, JR, Rigotti, NA, Mc Neill, AD et al. Initial symptoms of nicotine dependence in adolescents. Tobacco Control. 2000; 9: 313-319.
Körperliche Abhängigkeit
Das Suchtpotential der Zigarette steht in engem Zusammenhang mit dem köpereigenen Botenstoff Dopamin, der als Reaktion auf das Nikotin im Gehirn ausgeschüttet wird. Diese Substanz suggeriert dem Körper eine Belohnung oder ein Lustgefühl. Normalerweise wird Dopamin als Reaktion auf Handlungen ausgeschüttet, die in der Evolution des Menschen eine entscheidende Funktion tragen, wie Essen, Trinken oder Sexualität. Beim Tabakkonsum wird der Zusammenhang zwischen den angenehmen „Belohnungsgefühlen“ und der Situation des Rauchens hergestellt. Mit jeder Zigarette prägt sich diese folgenschwere Verknüpfung tiefer ein.
Dass die Sucht nach Tabakprodukten mit dem Missbrauch von Alkohol oder sogar Drogen wie Kokain, Heroin und Amphetaminen vergleichbar ist, belegt eine 2008 erschienene, medizinische Studie von Dr. Christoph Fehr et al.. Sein Team von Wissenschaftlern aus Mainz, Aachen und Dresden erforschte den Stoffwechsel im Gehirn von Raucherinnen und Rauchern und fand dabei heraus, dass dieser sich auf gleiche Weise verändert wie bei Drogensüchtigen. Als Folge der wiederholten Dopamin-Freisetzung durch Nikotinkonsum bilden sich die Dopaminrezeptoren zurück. Die natürliche Dopaminwirkung sinkt, das körpereigene Belohnungssystem gerät aus dem Gleichgewicht.
Entzugssymptome sind deutliche Zeichen der körperlichen Abhängigkeit von Tabakprodukten. Bei dem Versuch, das Rauchen aufzugeben, setzen diese Symptome schon bald nach der letzten Zigarette ein und erreichen ihren Höhepunkt nach etwa zwei Tagen.
Bei einem Blick auf die Liste der Entzugssymptome scheint es zunächst wenig verwunderlich, dass so mancher Ausstiegsversuch erfolglos bleibt: Unruhe oder Besorgnis, depressive Stimmung, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Nervosität oder Aggressivität, verminderte Konzentrationsfähigkeit, verlangsamter Puls und gesteigerter Appetit können unerwünschte Nebenwirkungen des Entwöhnungsversuchs sein. Aber: Sie müssen nicht zwingend auftreten! Denn Entzugserscheinungen fallen individuell sehr unterschiedlich und in unterschiedlicher Intensität aus.
Eine weitere gute Nachricht ist, dass die Symptome der körperlichen Abhängigkeit schnell nachlassen. Bereits 7 bis 10 Tage nach der letzten Zigarette sind sie deutlich abgemildert. Zudem ist niemand den Entzugserscheinungen hilflos ausgeliefert. Wenn Sie das Rauchen aufgeben möchten, können Sie sich schon im Vorhinein gut dagegen wappnen: Gönnen Sie sich in der ersten Zeit nach dem Rauchstopp viel Bewegung, Genuss, Entspannung und Ablenkung, und trinken Sie ausreichend, z.B. Tee und Wasser.
Psychische Abhängigkeit
Die psychische Abhängigkeit äußert sich vor allem darin, dass in bestimmten Situationen schlechter oder nur schwer auf das Rauchen verzichtet werden kann. Für den einen kann das die gemütliche Zigarette nach den Essen sein, für den anderen die Belohnungs-Zigarette nach einem harten Arbeitstag. Die Zigarette hat für Raucherinnen und Raucher unterschiedliche soziale oder psychologische Funktionen. So kann sie Anlass für eine Pause sein. Sie dient als Vorwand, miteinander ins Gespräch zu kommen oder als Hilfe, die eigene Unsicherheit zu überspielen.

Für Raucherinnen und Raucher ist das angenehme körperliche Gefühl, das beim Tabakkonsum ausgelöst wird, emotional eng mit bestimmten Situationen verknüpft. Häufige Wiederholungen dieser Verknüpfung erzeugen unbewusst einen direkten Zusammenhang zwischen der Zigarette und der jeweiligen Situation. Weit verbreitete Assoziationen mit dem Rauchen sind Gemütlichkeit, Genuss, Belohnung oder eine Auszeit. Diese kurzfristigen, positiven Auswirkungen des Rauchens treten für viele Raucherinnen und Raucher in den Vordergrund, während die negativen Langzeitfolgen stark verdrängt werden. Gerade in Stresssituationen scheint die Zigarette der Rettungsanker zu sein, der die sehnsüchtig erwarteten positiven Empfindungen liefert. Pause und Zigarette gehören für viele Raucherinnen und Raucher irgendwann einfach zusammen. Äußere Bedingungen, wie der volle Schreibtisch bekommen dann eine Signalwirkung („Jetzt erstmal eine Zigarette“).
Wenn Raucherinnen und Raucher behaupten, mit Hilfe der Zigarette könnten sie besser Stress abbauen, unterliegen sie jedoch einem Trugschluss. Parrot (1999)1 konnte zeigen, dass der scheinbar entspannende Effekt des Rauchens nur dadurch zustande kommt, dass der Tabakkonsum die Spannung, die vom Absinken des Nikotinlevels verursacht wird, wieder abbaut.
Dennoch sind Stresssituationen für alle, die den Rauchausstieg beginnen, besonders gefährlich. Man sollte sich daher im Vorhinein überlegen, wie auf Stresssituationen reagiert werden könnte. Ersatzhandlungen können die Funktionen der Zigarette auffangen.
Im Unterschied zur körperlichen Komponente der Abhängigkeit, die schon wenige Wochen nach der letzten Zigarette kaum noch spürbar ist, lässt sich die psychische Abhängigkeit nicht auf einen konkreten Zeitraum begrenzen. Eine möglichst breite Palette von Entspannungsverfahren oder Stressbewältigungstechniken kann helfen, auf Dauer rauchfrei zu bleiben.
1 Parrott, Andy C. Does cigarette smoking cause stress?. American Psychologist. Vol 54(10), Oct 1999, 817-820. psycnet.apa.org/journals/amp/54/10/817/
Quelle: Bundesamt für gesundheitliche Aufklärung www.rauchfrei-info.de
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